Zunächst schien es, als hät­te sich die glo­ba­le Wirt­schaft gut erholt: Erfolg­rei­che Impf­kam­pa­gnen trie­ben die Erho­lung der Wirt­schaft an, die Prei­se stie­gen so an, dass von Defla­ti­on kei­ne Rede mehr war und die Akti­en­märk­te erreich­ten fast Rekord­hö­he. Doch eine Ver­sor­gungs­kri­se, die zunächst nur die Ver­füg­bar­kei­ten von Luxus­au­tos oder Spie­le­kon­so­len, unter ande­rem auf Grund des Man­gels an Halb­lei­tern, in Fra­ge stell­te, ent­wi­ckelt sich durch einen Man­gel an Ener­gie, Arbeits­kräf­ten, Trans­port­mög­lich­kei­ten und wei­te­ren Ein­fluss­fak­to­ren nun in eine sich annä­hern­de Wirtschaftskrise.

Stromkrise in China begünstigt globale Wirtschaftskrise

Sowohl Chi­na als auch das Ver­ei­nig­te König­reich wur­den u.a. durch die unzu­rei­chen­den Reser­ven von Erd­gas und Erd­öl und den damit ver­bun­de­nen ver­dop­pel­ten Preis­an­stieg auf etwa 80 Dol­lar pro Bar­rel, überrollt.

Die Tank­stel­len im Ver­ei­nig­ten König­reich haben kei­nen Treib­stoff mehr und gan­ze Städ­te müs­sen in Chi­na auf Grund von Sank­tio­nen als Resul­tat einer Strom­kri­se den Strom ratio­nie­ren, was die Schlie­ßung eini­ger gro­ßer und wich­ti­gen Pro­duk­ti­ons­stät­ten mit sich zieht.

Vie­le chi­ne­si­sche Her­stel­ler sehen sich nun gezwun­gen, die Prei­se zu erhö­hen und die Annah­me wei­te­rer Auf­trä­ge zu ver­schie­ben oder gar abzu­leh­nen. Zuvor ent­stan­den und exis­tie­ren nach wie vor bereits mas­si­ve Pro­ble­me, die Waren aus Chi­na nach Über­see zu lie­fern. Wie sich das nun auf eine Wirt­schafts­kri­se aus­wirkt, bleibt noch zu spekulieren.

Ressourcenverfügbarkeit hakt

Die glo­ba­len Märk­te wer­den die wei­te­re Ver­knap­pung von Tex­ti­li­en, Kunst­stoff bis hin zu Maschi­nen­tei­len auf Grund der Strom­kri­se in Chi­na zu spü­ren bekommen.

Doch nicht nur die Strom­kri­se ist an der Res­sour­cen­ver­knap­pung schuld. Wie bereits zuvor in „Halb­lei­ter – was steckt hin­ter dem Chip­man­gel?“ berich­tet, über­steigt die Nach­fra­ge an Halb­lei­tern seit län­ge­rer Zeit und nach wie vor das Angebot.

Kürz­lich kün­dig­ten Volks­wa­gen, Ford und der Opel-Her­stel­ler Stel­lan­tis wegen des Chip-Man­gels wei­te­re vor­über­ge­hen­de Schlie­ßun­gen in Deutsch­land an. Opel schließt ein Werk bis 2022 – die bis­her längs­te Still­le­gung die­ser Art.

Gravierende Logistikschwierigkeiten

Aber selbst wenn mehr Energie‑, Mate­ri­al- und Fach­kräf­teres­sour­cen zur Ver­fü­gung stün­den und die Fabri­ken mehr Waren in einem Tem­po auf Nor­mal­ni­veau her­stel­len könn­ten, wür­de eine ein­wand­freie Lie­fer­ket­te letzt­lich am Trans­port schei­tern: Im Mit­tel­punkt einer Wirt­schafts­kri­se steht näm­lich eben­falls der Trans­port­en­g­pass und die dar­aus resul­tie­ren­den hohen Kos­ten für Con­tai­ner und Versand.

Die­ses Jahr erreich­ten die Fracht­ra­ten Rekord­hö­hen, was fast alle Expor­teu­re dazu ver­an­lasst, die Prei­se zu erhö­hen und auf Grund der hohen Nach­fra­ge auch Trans­por­te zu strei­chen. Sämt­li­che Her­stel­ler, die unter Res­sour­ce­n­eng­päs­sen und gestie­ge­nen Roh­stoff- und Ener­gie­kos­ten lei­den, sind nun gezwun­gen, um Schiff­plät­ze und Con­tai­ner zu bieten.

Die­se Schwie­rig­kei­ten in der Lie­fer­ket­te, die eigent­lich nur vor­über­ge­hend sein soll­ten, schei­nen dem­nach, als wür­de die­se weit ins nächs­te Jahr andauern.

Ins­ge­samt erreicht das Welt­han­dels­vo­lu­men im ers­ten Halb­jahr des Jah­res 2021 einen Anstieg um 1 %. Im Zeit­raum vor der Pan­de­mie (Janu­ar bis Juni 2019) stieg das monat­li­che Han­dels­vo­lu­men nur um 0,1 %. Der rasan­te Anstieg hat gleich zwei beun­ru­hi­gen­de Fol­gen: hohe Trans­port­kos­ten und eine lan­ge Rei­se­dau­er der Frachten.

Hohe Transportkosten

Der Schiff­fahrts­in­dex von Dre­wry, der die Kos­ten für Con­tai­ner misst, ist im Ver­gleich zum Vor­jahr um 291 % gestie­gen. Auf eini­gen viel befah­re­nen Rou­ten, wie z.B. von Asi­en nach Euro­pa, sind die Kos­ten für den Ver­sand eines Con­tai­ners etwa zehn­mal so hoch wie im Mai ver­gan­ge­nen Jah­res. Gleich­zei­tig haben sich die Kos­ten von Shang­hai nach Los Ange­les versechsfacht.

Die Kos­ten für den Ver­sand von Nord­ame­ri­ka nach Chi­na sind um das Zwei- bis Drei­fa­che gestie­gen. Aller­dings haben sich die Fracht­kos­ten von der USA nach Euro­pa nur kaum verändert.

Lange Reisedauer der Frachten

Die größ­ten Häfen in Süd­ka­li­for­ni­en, in Los Ange­les und Long Beach, das Nadel­öhr der wich­tigs­ten Trans­port­rou­te zwi­schen der USA und Chi­na, ver­zeich­ne­ten im Sep­tem­ber 2021 einen Stau von etwa 75 Con­tai­ner­schif­fen. Aber auch an ande­ren Küs­ten kommt es zu Eng­pas­sen. So lagen in Sava­nah, im Osten der USA, in den ver­gan­ge­nen Wochen 26 Schif­fe auf dem Atlan­tik still.

Das führ­te unter ande­rem dazu, dass sich die Rei­se­zeit eines Con­tai­ners zwi­schen Chi­na und der USA hat sich Schät­zun­gen zufol­ge um mehr als 80 % ver­län­ger­te. Hin­zu kommt, dass das Con­tai­ner­auf­kom­men die­ser Trans­port­rou­te in den ers­ten 7 Mona­ten im Jahr 2021 um fast 25 % gestie­gen ist.

Fachkräftemangel erschwert die Situation

Wenn die Waren im Hafen ankom­men, hören die Pro­ble­me jedoch nicht auf, denn der Fach­kräf­te­man­gel stellt eine wei­te­re Ursa­che einer bevor­ste­hen­den Wirt­schafts­kri­se dar. Gro­ße Ver­zö­ge­run­gen beim Ent­la­den von Con­tai­ner­schif­fen las­sen sich bspw. in der USA auf einen Fach­kräf­te­man­gel rückführen.

Der Man­gel an LKW-Fah­rern – ein Pro­blem, das bereits vor der Pan­de­mie bestand, sich nun aber noch ver­schlim­mert hat, bedeu­tet ein­fach gesagt, dass die Waren von den Häfen nicht zu den Lager­häu­sern gelan­gen und schließ­lich nicht den Weg zu den Ein­zel­händ­lern und End­ver­brau­chern finden.

Pandemie- und trendbedingt

Wirt­schafts­still­stän­de und Gesund­heits­vor­schrif­ten haben es vie­len Unter­neh­men schwer gemacht, Mit­ar­bei­ter zu hal­ten. Das betrifft auch die Ver­sor­gungs­ket­te, z. B. in Häfen, Lager­häu­sern und in der Fer­ti­gungs­in­dus­trie. Das ist natür­lich zum Teil auf die Pan­de­mie zurück­zu­füh­ren, aller­dings stand die Bran­che auch zuvor auf der Kip­pe. Vie­le jun­ge Arbeits­kräf­te zeig­ten kein gro­ßes Inter­es­se, die­se Art von Beschäf­ti­gung zu ver­fol­gen. Nun kann den Beschäf­tig­ten in der Lie­fer­ket­te ein Adjek­tiv ver­lie­hen wer­den: unverzichtbar.

Alle Logistikbereiche von Fachkräftemangel betroffen

Denn gar nicht all­zu lan­ge her, pro­gnos­ti­zier­te man, dass Fach­leuch­te für digi­ta­le Logis­tik rar, aber auf Grund der Ein­füh­run­gen inno­va­ti­ver Logis­tik­lö­sun­gen, so gefragt wie noch nie sind. Seit Beginn der Pan­de­mie schei­tert es dem­nach bereits an der Aus­füh­rung der Basis logis­ti­scher Prozesse.

Die Rück­kehr in die Nor­ma­li­tät nach der Pan­de­mie, die Ein­stel­lung neu­er Fach­kräf­te und ein bes­se­rer Ein­satz der Auto­ma­ti­sie­rung in Häfen, Fabri­ken und Lager­häu­sern ist ein Groß­teil einer lang­fris­ti­gen Ant­wort. Davon sind wir heu­te jedoch weit entfernt!

Planungsschwierigkeiten in der Transportlogistik

Hin­zu kommt ein wei­te­res Pro­blem. Das gesam­te Logis­tik-Per­so­nal ist über­for­dert und über­ar­bei­tet. Mas­si­ve Pla­nungs­schwie­rig­kei­ten, ver­zerr­te und lan­ge Schich­ten auf Grund oben genann­ter Grün­de, wie die sich anstau­en­de Trans­port­lo­gis­tik und feh­len­de qua­li­fi­zier­te Kol­le­gen, stel­len alle täg­lich vor neue Her­aus­for­de­run­gen. Die­se Her­aus­for­de­rung ver­stärk­te die Not­wen­dig­keit lang­fris­ti­ger digi­ta­ler KI-basier­te Logistiklösungen.

Fazit: Wirtschaftskrise 2022?

Sowohl auf Grund des Ener­gie­man­gels, des Fach­kräf­te­man­gels als auch Trans­port­en­g­päs­se, kann, zusam­men mit den ein­hal­ten­den Ein­schrän­kun­gen im Zusam­men­hang mit der Pan­de­mie und dem nach­weis­li­chen Man­gel an Halb­lei­tern, ein­fach nicht genug und schnell pro­du­ziert wer­den. Und wie sie sehen, bedingt die eine Her­aus­for­de­rung die nächste.

Auch eine ver­än­der­te Vor­rats­hal­tung von akut begrenz­ten Res­sour­cen der Unter­neh­men aus der Fer­ti­gungs­in­dus­trie ver­zer­ren die aktu­el­le Wirt­schafts­la­ge. Hin­zu kommt der mas­si­ve Nach­hol­be­darf der Ver­brau­cher infol­ge der Pan­de­mie, denn die Ver­brau­cher sind ver­rückt danach Din­ge zu kau­fen, was aus höhe­ren Erspar­nis­sen und der auf­ge­stau­ten Nach­fra­ge ins­be­son­de­re nach Unter­hal­tungs­elek­tro­nik resultiert.

Eine hohe Nach­fra­ge und ein aku­tes begrenz­tes Ange­bot rei­chen der Infla­ti­on dem­nach die Hand. Wenn man alle Fak­to­ren zusam­men­nimmt, steu­ern wir auf eine ech­te Wirt­schafts­kri­se 2022 zu.

Ansprechpartner

Micha­el Lütge
Geschäfts­füh­ren­der Gesellschafter
Tel: 040 – 32 50 71 – 25 mail@costconsult.de