Zuletzt berich­te­ten wir über den welt­wei­ten Roh­stoff­man­gel und den dar­aus resul­tie­ren­den Preis­an­stieg. Ver­brau­cher sehen sich unter ande­rem mit Preis­er­hö­hun­gen und Eng­päs­sen bei Pro­duk­ten von Fern­se­hern und Mobil­te­le­fo­nen bis hin zu Autos und Spie­le­kon­so­len kon­fron­tiert, da ein glo­ba­ler Man­gel an Halb­lei­tern zunimmt. Wäh­rend die Halb­lei­ter Chips selbst wider­stands­fä­hig sind und extre­me Tem­pe­ra­tu­ren, Vibra­tio­nen und ande­re äuße­re Erschüt­te­run­gen aus­hal­ten, ist die Lie­fer­ket­te für Halb­lei­ter aktu­ell ins Sto­cken geraten.

Ursprüng­lich han­delt es sich bei dem Man­gel an Chips nur um eine vor­über­ge­hen­de Ver­zö­ge­rung der Lie­fe­rung, da die Pro­duk­ti­ons­stät­ten geschlos­sen wur­den, als die Pan­de­mie aus­brach. Doch, obwohl sich die Pro­duk­ti­on inzwi­schen nor­ma­li­siert hat, bedeu­tet der neue Nach­fra­ge­schub, der durch die ver­än­der­ten Gewohn­hei­ten infol­ge der Pan­de­mie aus­ge­löst wur­de, dass das Pro­blem nun einen neu­en Kri­sen­punkt erreicht hat. Die Nach­fra­ge nach Chips über­steigt wei­ter­hin das Ange­bot und die Auto­her­stel­ler sind nicht mehr die ein­zi­gen Unter­neh­men, die den Druck spüren.

Was sind Halbleiter und wozu werden sie benötigt?

Halb­lei­ter, auch bekannt als Mikro­chips und inte­grier­te Schalt­krei­se (ICs), sind wesent­li­che Kom­po­nen­ten in jedem Elek­tronik­pro­dukt, sei es eine ein­fa­che Fern­be­die­nung zum Wech­seln der Kanä­le am Fern­se­her oder ein Super­com­pu­ter, der zur kom­ple­xen Simu­la­ti­on ver­wen­det wird.

Auch in unse­ren, teils bana­len All­tags­ge­gen­stän­den sind Halb­lei­ter ver­baut. Die Pro­duk­ti­on von Pro­zes­so­ren mit gerin­ger Gewinn­span­ne, wie z.B. sol­che, die zum Wie­gen von Wäsche in einer Wasch­ma­schi­ne oder zum Toas­ten von Brot in einem intel­li­gen­ten Toas­ter ver­wen­det wer­den, ist eben­falls betrof­fen. Wäh­rend die meis­ten Ein­zel­händ­ler im Moment noch in der Lage sind, die­se Pro­duk­te zu beschaf­fen, könn­ten sie in den kom­men­den Mona­ten Pro­ble­me bekommen.

Warum gibt es keine Halbleiter mehr?

Auto­her­stel­ler, die in tech­nik­las­ti­ge Elek­tro­fahr­zeu­ge inves­tie­ren, der Boom beim Ver­kauf von Fern­se­her und Heim­com­pu­ter, sowie die Ein­füh­rung neu­er Unter­hal­tungs­elek­tro­nik und 5G-fähi­ger Mobil­te­le­fo­ne haben die Nach­fra­ge angekurbelt.

Die Kom­bi­na­ti­on aus kurz­fris­ti­gen und lang­fris­ti­gen Fak­to­ren, sowohl auf der Ange­bots- als auch auf der Nach­fra­ge­sei­te, kann als Grund für den Man­gel an Halb­lei­tern genannt wer­den. Der kurz­fris­ti­ge Fak­tor ist natür­lich die Pan­de­mie. Ver­käu­fe wur­den zurück­ge­zo­gen, Pro­duk­tio­nen konn­ten nicht auf­recht­erhal­ten wer­den und Auto­her­stel­ler, die ihre Chip­be­stel­lun­gen im letz­ten Jahr auf Grund sin­ken­der Fahr­zeug­ver­käu­fe redu­zier­ten, fan­den sich am Ende der War­te­schlan­ge wie­der, als sie ver­such­ten, nach­zu­be­stel­len, als sich der Markt wie­der erholte.

Denn wäh­rend­des­sen began­nen ande­re, die auf Grund der Pan­de­mie vor allem viel Zeit zu Hau­se ver­brach­ten, ins­be­son­de­re Com­pu­ter, Spie­le­kon­so­len, Han­dys oder Tablets zu kau­fen, um sich von zu Hau­se aus zu bil­den und zu unter­hal­ten. Vie­le Halb­lei­ter Her­stel­ler fan­den dem­nach neue Abneh­mer bzw. grö­ße­re Abneh­mer in der Unter­hal­tungs­in­dus­trie.

Es gibt jedoch noch wei­te­re ent­schei­den­de Fak­to­ren: In der Ver­gan­gen­heit erleb­te die Chip­in­dus­trie bereits Eng­päs­se. Dabei han­del­te es sich jedoch nur um Spei­cher­chips. Dies­mal betrifft es die gesam­te Chip­bran­che, was bedeu­tet, dass die Halb­lei­ter-Nach­fra­ge extrem hoch ist. Zum einen wer­den Halb­lei­ter in viel mehr Pro­duk­ten ver­wen­det, wie in Autos oder Smart­pho­nes. Und jedes Pro­dukt, was Chips ver­wen­det, ver­wen­det in der Regel viel mehr als nur einen Halbleiter.

Es han­delt sich also um ein neu­es Niveau an Nach­fra­ge, mit dem aktu­ell noch nicht Schritt gehal­ten wer­den kann. Fest steht jedoch, dass die Her­stel­ler unmit­tel­bar reagier­ten, in dem sie die Pro­duk­tio­nen hoch­ge­fah­ren haben, wo es mög­lich war. Die Pro­duk­ti­on von Halb­lei­tern ist jedoch sehr kom­plex und benö­tigt viel Zeit. Es dau­ert in der Regel mehr als 3 Mona­te, um einen Halb­lei­ter in einem kom­ple­xen Pro­zess in hoch­ent­wi­ckel­ten Fabri­ken her­zu­stel­len, sodass die Her­stel­ler die Nach­fra­ge vor­her­se­hen müs­sen, was sich wäh­rend der Pan­de­mie jedoch als äußerst schwie­rig erwies.

Autoindustrie am stärksten betroffen

Die Auto­mo­bil­in­dus­trie, die auf Halb­lei­ter für alles von der Com­pu­ter­steue­rung von Moto­ren bis hin zu Fah­rer­as­sis­tenz­sys­te­men ange­wie­sen ist, ist immer noch am stärks­ten betroffen.

Die gesam­te Auto­in­dus­trie kauft welt­weit Chips im Wert von 37 Mil­li­ar­den Dol­lar, wobei die größ­ten Unter­neh­men wie Toyo­ta und Volks­wa­gen jeweils mehr als 4 Mil­li­ar­den Dol­lar aus­ge­ben (Quel­le: Bloom­berg). Unter­neh­men wie Ford, Volks­wa­gen und Jagu­ar Land Rover haben Fabri­ken geschlos­sen, Arbei­ter ent­las­sen und die Pro­duk­ti­on von Fahr­zeu­gen her­un­ter­fah­ren müssen.

Laut einem Bericht von Bloom­berg ver­zich­ten eini­ge Auto­her­stel­ler auf Grund der Halb­lei­ter Knapp­heit sogar auf High-End-Funk­tio­nen. Nis­san lässt bei­spiels­wei­se Navi­ga­ti­ons­sys­te­me in Fahr­zeu­gen weg, die nor­ma­ler­wei­se damit aus­ge­stat­tet wären. Ram Trucks ver­zich­tet in den 1500er Pick­ups auf intel­li­gen­te Rück­spie­gel, die nor­ma­ler­wei­se auf tote Win­kel achten.

Halbleiter Knappheit bei Unterhaltungselektronik

Sogar das Unter­neh­men Apple, das mit einem Jah­res­um­satz von 58 Mil­li­ar­den Dol­lar der welt­weit größ­te Abneh­mer von Halb­lei­tern ist, muss­te die Markt­ein­füh­rung des viel­ge­prie­se­nen iPho­ne 12 im ver­gan­ge­nen Jahr auf­grund der Knapp­heit um zwei Mona­te verschieben.

Das aus­sa­ge­kräf­tigs­te Bei­spiel für die Halb­lei­ter­kri­se kommt jedoch von Sam­sung, dem welt­weit zweit­größ­ten Käu­fer von Chips für sei­ne Pro­duk­te nach Apple. Kürz­lich gab das Unter­neh­men bekannt, dass es mög­li­cher­wei­se die Markt­ein­füh­rung des neu­en Sam­sung Gala­xy Note 21 auf­grund der Knapp­heit um ein Jahr ver­schie­ben müs­se, obwohl Sam­sung auch der zweit­größ­te Chip-Pro­du­zent der Welt ist.

Fazit

Die zuneh­men­de Digi­ta­li­sie­rung ging in den letz­ten Jah­ren Hand in Hand mit der Ent­wick­lung der Halb­lei­ter­tech­no­lo­gie, wodurch sich zusätz­li­che Märk­te für die­se Chips eröffneten.

Die Chip-Knapp­heit wird wohl noch eini­ge Zeit andau­ern. Es kann bis zu zwei Jah­re dau­ern, um kom­ple­xe Halb­lei­ter­pro­duk­ti­ons­fa­bri­ken in Gang zu brin­gen. Nun sind die Her­stel­ler dabei, die Prei­se zum zwei­ten Mal in weni­ger als einem Jahr deut­lich anzu­he­ben, um die Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten wei­ter hoch­fah­ren zu können.

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