Andreas Schmidtke, Verpackungsexperte bei Eupas, ist zu Gast in „7 Minuten geballtes Know-how” bei Patrice Ötvös, Geschäftsführer der costconsult GmbH. In dieser Folge spricht der Experte über Optimierungsansätze im Bereich Verpackungen und gibt reale Einblicke in Kundenprojekte.
Hintergrund: Verpackungskosten sind für viele Unternehmen ein unterschätzter Hebel – mit gezielter Optimierung lassen sich oft erhebliche Einsparpotenziale realisieren, ohne Qualität oder Prozesssicherheit zu gefährden.
Verpackung – die unterschätzte Disziplin
Verpackungen fristen ein „unbeachtetes Dasein”, obwohl 3–15 % der Herstellkosten eines Produkts auf sie entfallen. Das Problem: Es gibt oft keine klare Verantwortlichkeit im Unternehmen – Marketing will Optik, Logistik Stabilität, Einkauf einen guten Preis, der Kunde einfaches Öffnen und Entsorgen. Niemand fühlt sich ganzheitlich zuständig.
Abhängigkeit von globalen Rohstoffmärkten
Verpackungen hängen stark an Holz‑, Öl‑, Papier- und Metallpreisen und damit an globalen/geopolitischen Entwicklungen. Echte Unabhängigkeit ist kaum erreichbar – realistischer sind Materialreduktion oder Materialwechsel. Alternative Rohstoffe (z. B. Mais statt Erdöl-Kunststoff) klingen gut, scheitern aber oft an CO2-Bilanz über weite Transportwege, höheren Kosten und mangelnder Verfügbarkeit in der benötigten Menge.
Wettbewerbssituation je nach Verpackungsart
Der Wettbewerb unter Anbietern ist sehr uneinheitlich: Bei Etiketten gibt es viele Lieferanten, bei Weißblechdosen nur 3–5 Hersteller in Europa. Viele Verpackungen (Holzpaletten, Wellpappe) werden aus Transportkostengründen nur regional (50–300 km Radius) eingekauft – dort ist der Markt entsprechend eng.
Der zentrale Hebel: Materialreduktion statt Rohstoffwechsel
Da der Zugriff auf Rohstoffmärkte und Anbieterwettbewerb begrenzt ist, liegt der wirksamste Hebel in der Frage: Ist die Verpackung wirklich so dimensioniert, wie sie sein müsste? Beispiele:
- Paletten oft überdimensioniert (ausgelegt für 1–2 Tonnen, tatsächlich nur 250 kg Last) → dünneres Holz, andere Konstruktion
- Ein Kunde nutzte für Markisen eine Überseeverpackung ohne Grund („war schon immer so”) → nach Analyse 16 % Materialkosten gespart
- Materialkostenanteil am Verkaufspreis: bei Wellpappe 50–70 %, bei Paletten ca. 80 % – daher der größte Hebel
- Weitere Beispiele: Wechsel von weißer auf braune Wellpappe, Reduktion von 12 auf 6 Druckfarben, Wechsel von Wechsel- auf Digitaldruck
Innerbetriebliche Widerstände überwinden
Größter Gegner von Veränderung: die Haltung „das haben wir schon immer so gemacht”. Schmidtkes Ansatz: alle Stakeholder (Marketing, Produktion, Logistik) frühzeitig einbinden, ihre Bedenken ernst nehmen und als Teammitglieder statt Gegner behandeln – Veränderung funktioniert nur, wenn das gesamte Projektteam mitzieht.
Testphasen vor der Umsetzung
Vor jeder Umstellung: Muster, dann größere Produktionsmenge, dann Transporttests (z. B. über Kopfsteinpflaster), um sicherzustellen, dass das Produkt unbeschädigt ankommt. Der Aufwand hängt stark von der Branche ab – ein Online-Versandkarton lässt sich in Tagen testen, in der Lebensmittelindustrie sind wegen Maschinenlauf und Haltbarkeit (z. B. MHD-Tests) deutlich aufwendigere und längere Testreihen nötig.
Praxisbeispiel: überdimensionierte Umverpackung
Anhand eines Alltagsbeispiels (ein Riesenkarton mit viel Füllmaterial für kleine Trainingsbänder) erklärt Schmidtke, warum überdimensionierte Verpackungen unnötige Kosten (Karton, Füllmaterial, Versand) verursachen und Kunden ärgern (Füllmaterial-Entsorgung).
Regulatorischer Ausblick: EU-Verpackungsverordnung (PPWR)
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